Was ist eine Inspektion?
Die Kraninspektion ist der in festen Abständen geführte Nachweis, dass Tragstruktur, Hubwerk und Sicherheitseinrichtungen des Hebezeugs sicher arbeiten. Sie beschränkt sich nicht auf die Sichtprüfung: Funktionsversuche und eine Lastprobe zeigen, dass die Ausrüstung ihre Nenntragfähigkeit sicher trägt.
Warum wird sie durchgeführt?
Ziel ist, betriebsbedingten Verschleiß, Verformung und Dejustage zu erkennen, bevor daraus ein Unfall wird. Unfälle mit Hebezeugen ereignen sich meist nicht plötzlich, sondern als Folge kumulativer Schädigung; die wiederkehrende Prüfung macht diese Anhäufung sichtbar.
Für welche Ausrüstung gilt sie?
- Lauf- und Portalkrane
- Auslegerkrane (Jib)
- Mobil- und Lkw-Aufbaukrane
- Turmdrehkrane
- Einschienenbahnsysteme und Hebebalken
Rechtsgrundlage und Intervall
Es gibt kein einheitliches Intervall. Die Prüffrist richtet sich nach der restriktivsten von drei Quellen: der Höchstfrist der geltenden Arbeitsmittelvorschriften, der Herstelleranweisung in der Betriebsanleitung und der Gefährdungsbeurteilung des Betreibers. Schwerer Einsatz, korrosive Umgebung oder Schichtbetrieb verkürzen sie. Der nächste Prüftermin wird im Bericht angegeben.
Umfang der Inspektion
- Tragende Struktur: Risse, Verformung, Korrosion und Schweißnähte
- Seil/Kette: Verschleiß, Anzahl gebrochener Drähte, Verformung und Schmierzustand
- Haken: Maulöffnung, Verschleiß, Risse und Sicherheitsklappe
- Hub- und Fahrwerksbremsen
- Endschalter: Hub- und Fahrgrenzen oben/unten
- Überlastschutzeinrichtung
- Trommel und Rollen: Rillenverschleiß, Seilaufwicklung
- Elektrische Ausrüstung, Not-Halt und Steuerung
- Zustand von Schiene, Rad und Puffer
- Kennzeichnung, Traglastschild und Warnhinweise
Zugehörige Normen
- ISO/IEC 17020
- ISO 4309
- EN 13001-Reihe
- EN 12644
- ISO 9927-1
- ISO 12480-1
Verfahren und Ausrüstung
- Kalibrierte Prüfgewichte oder ein Lastmessdynamometer
- Seildurchmesser-Messgeräte und Hakenlehre
- Ultraschall-Dickenmessgerät (bei Bedarf)
- Magnetpulverprüfausrüstung (an Haken und kritischen Verbindungen)
- Abstands- und Nivelliermessgeräte
- Wärmebildkamera (an elektrischen Verbindungen)
Inspektionsablauf
- 1Vorabinformation und PlanungAnlagenverzeichnis, Kapazitätsdaten, Herstelleranweisungen und frühere Prüfberichte werden zusammengetragen; Prüftermin und Baustellenbedingungen werden geplant.
- 2DokumentenprüfungKonformitätserklärung, Betriebsanleitung, Wartungsnachweise und gegebenenfalls Nachweise über die Behebung früherer Abweichungen werden geprüft.
- 3SichtprüfungTragstruktur, Verbindungen, Schutzeinrichtungen und Warnkennzeichnungen werden in Augenschein genommen; Verschleiß, Verformung und Korrosion werden beurteilt.
- 4Funktions- und SicherheitseinrichtungsprüfungSicherheitseinrichtungen wie Bremsen, Endschalter, Not-Halt und Überlastschutz werden im Betrieb überprüft.
- 5Messung und LastprobeJe nach Art der Ausrüstung werden Lastprobe, Druckprüfung oder elektrische Messungen durchgeführt. Die Prüfwerte richten sich nach den Herstellergrenzwerten und der einschlägigen Norm.
- 6Bewertung und BerichterstattungDie Feststellungen werden als konform / nicht konform / bedingt konform bewertet; Bericht und Prüfplakette werden ausgestellt.
- 7NachverfolgungBestehen Abweichungen, erfolgt nach deren Behebung eine Nachprüfung; der nächste Prüftermin wird im Bericht angegeben.
Abweichungen
Die Befunde werden nach Schweregrad eingestuft. Eine Aufweitung der Hakenmaulöffnung über den Grenzwert, eine Drahtbruchzahl über der Schwelle nach ISO 4309 oder eine nicht haltende Bremse erfordern die sofortige Außerbetriebnahme. Befunde wie fehlende Kennzeichnung oder unzureichende Schmierung werden mit Fristsetzung behoben.
Inspektionsbericht
- Angaben zur Inspektionsstelle und zum Prüfpersonal
- Identifikation der Ausrüstung: Marke, Typ, Seriennummer, Tragfähigkeit, Baujahr
- Angewandte Norm und Prüfumfang
- Eingesetzte Messmittel und deren Kalibrierdaten
- Befunde aus Sichtprüfung und Funktionskontrolle
- Werte der Last- bzw. Druckprüfung
- Festgestellte Abweichungen und deren Schweregrad
- Ergebnis (konform / nicht konform / bedingt konform) und nächster Prüftermin
Akkreditierung
Inspektionstätigkeiten werden nach ISO/IEC 17020 durchgeführt; die Norm fordert Unparteilichkeit der Inspektionsstelle, Kompetenz des Personals und Validität der Prüfverfahren. Nach dem Unparteilichkeitsgebot darf, wer eine Ausrüstung wartet oder instand setzt, deren unabhängige Prüfung nicht durchführen. EUROLAB verfügt über eine international anerkannte Akkreditierung nach ISO/IEC 17020 von Unterzeichnerstellen der ILAC-Vereinbarung; da der akkreditierte Geltungsbereich je Inspektionsart festgelegt ist, wird er im Angebotsstadium schriftlich bestätigt.
Geltungsbereich und BefugnisseZugehörige Inspektionen
Häufige Fragen
Wie wird entschieden, wann das Seil ausgetauscht werden muss?
ISO 4309 legt für die Anzahl gebrochener Drähte auf einer bestimmten Länge, die Durchmesserabnahme, Verformung und Korrosion jeweils eigene Grenzwerte fest. Die Entscheidung erfolgt anhand dieser Kriterien, nicht durch Sichtschätzung; die Messergebnisse werden im Bericht dargestellt.
Wer darf die Prüfung durchführen?
Die Prüfung erfolgt durch eine nach ISO/IEC 17020 akkreditierte Inspektionsstelle und deren beauftragtes Prüfpersonal. Die Unparteilichkeit der Stelle ist grundlegend: Wer die Ausrüstung wartet, darf deren wiederkehrende Prüfung nicht als unabhängige Prüfung durchführen.
Schädigt die Lastprobe die Ausrüstung?
Die Prüflast richtet sich nach der Nenntragfähigkeit und der angewandten Norm und bleibt innerhalb der Auslegungsgrenzen. Eine richtig geplante Lastprobe verursacht keinen Schaden. Weist die Ausrüstung einen verdeckten Mangel auf, ist gerade dessen Zutagetreten der Zweck der Prüfung.
Was geschieht, wenn das Prüfergebnis nicht konform ist?
Je nach Schwere der Abweichung wird die Ausrüstung außer Betrieb genommen oder darf unter Auflagen weiter genutzt werden. Nach Behebung erfolgt eine Nachprüfung; der negative Bericht wird zusammen mit dem Nachweis der Behebung aufbewahrt.









