Was ist eine Inspektion?
Die Durchstrahlungsprüfung bewertet die Dichteunterschiede, die ionisierende Strahlung nach Durchdringen des Werkstoffs auf Film oder digitalem Detektor erzeugt. Am Fehlerort ist die Werkstoffdicke geringer, sodass im Bild eine dunklere Anzeige entsteht.
Warum wird sie durchgeführt?
Ziel ist, innere Fehler auf einem dauerhaften, nachprüfbaren Bild nachzuweisen. Die größte Stärke der Radiografie ist, dass das Ergebnis später unabhängig neu bewertet werden kann.
Für welche Ausrüstung gilt sie?
- Schweißnähte an Druckgeräten und Rohrleitungen
- Innere Unstetigkeiten in Gussteilen
- Schweißungen an Lagerbehältern
- Stumpfnähte im Stahlbau
- Verbund- und Montagebauteile
Rechtsgrundlage und Intervall
Die ZfP hat keine eigene Frist; ihre Häufigkeit ergibt sich aus dem Prüfprogramm, dem sie dient. In der Fertigung bestimmt der von Produktnorm und Spezifikation geforderte Prüfumfang (z. B. ein bestimmter Prozentsatz der Schweißnähte), im Betrieb das Asset-Integrity- bzw. risikobasierte Prüfprogramm.
Umfang der Inspektion
- Poren und Gasblasen
- Schlacke- und Wolframeinschlüsse
- Bindefehler und mangelnde Verschmelzung
- Risse (bei geeigneter Lage zur Strahlrichtung)
- Kerben und Wurzelfehler
- Dickenunterschiede und Montageabweichungen
Zugehörige Normen
- ISO/IEC 17020
- EN ISO 17636-1
- EN ISO 17636-2
- EN ISO 10675-1
- ISO 19232-Reihe
- ISO 9712
Verfahren und Ausrüstung
- Röntgenröhre oder Gammaquelle (Ir-192, Se-75, Co-60)
- Radiografiefilm oder digitaler Detektor (CR/DR)
- Bildgüteprüfkörper (IQI / Durchstrahlbarkeitsanzeiger)
- Filmentwicklung oder digitales Bildgebungssystem
- Filmbetrachter und Densitometer
- Strahlungsmessgeräte und persönliche Dosimeter
Inspektionsablauf
- 1Auswahl von Verfahren und TechnikArt und Lage der gesuchten Unregelmäßigkeit sowie die Werkstoffeigenschaften werden bewertet, um Verfahren und Technik festzulegen; eine schriftliche Prüfanweisung wird erstellt.
- 2Verifizierung von Personal und AusrüstungStufe und Industriesektor-Qualifikation des Prüfers nach EN ISO 9712 sowie die Kalibrierunterlagen der Geräte werden kontrolliert.
- 3OberflächenvorbereitungDie Prüffläche wird verfahrensgerecht vorbereitet; Beschichtung, Rost und Verschmutzung beeinflussen die Empfindlichkeit unmittelbar.
- 4Kalibrierung und EmpfindlichkeitsnachweisMit Vergleichskörper oder Kontrollprobe wird nachgewiesen, dass das System die gesuchte Unregelmäßigkeit anzeigt.
- 5Durchführung der PrüfungDie Abtastung erfolgt nach Prüfanweisung; Anzeigen werden aufgezeichnet und lokalisiert.
- 6BewertungAnzeigen werden nach der geltenden Abnahmenorm daraufhin bewertet, ob es sich um Fehler handelt; sie werden ausgemessen.
- 7BerichterstattungVerfahren, Technik, Ausrüstung, Kalibrierung, Befunde und Abnahmekriterium werden im Bericht gemeinsam ausgewiesen.
Abweichungen
Fehler werden nach einer Abnahmenorm wie EN ISO 10675-1 zusammen mit dem angewandten Qualitätsniveau bewertet. Die Ausreichende Bildgüte wird durch den feinsten auf dem Bildgüteprüfkörper sichtbaren Draht oder das feinste Loch nachgewiesen; eine Radiografie, die die IQI-Anforderung nicht erfüllt, ist ungültig.
Inspektionsbericht
- Inspektionsstelle sowie Stufe und Sektor des Personals nach EN ISO 9712
- Angewandtes Verfahren, Technik und Nummer der schriftlichen Prüfanweisung
- Geprüftes Bauteil, Schweißnaht und Lageskizze
- Ausrüstung, Verbrauchsmaterial und Kalibriernachweise
- Oberflächenzustand und Prüfbedingungen
- Aufgezeichnete Anzeigen, deren Lage und Abmessungen
- Angewandte Abnahmenorm und Bewertungsergebnis
- Annahme-/Ablehnungsentscheidung
Akkreditierung
Die zerstörungsfreie Prüfung wird als akkreditierte Inspektionstätigkeit nach ISO/IEC 17020 durchgeführt. Zweiter bestimmender Faktor ist die Personalqualifikation: Der Prüfer muss nach EN ISO 9712 für Verfahren, Stufe und Industriesektor zertifiziert sein. Eine Prüfung mit einem Verfahren außerhalb dieses Zertifikatsumfangs gilt nicht. EUROLAB verfügt über eine international anerkannte Akkreditierung nach ISO/IEC 17020, erteilt von Akkreditierungsstellen, die Unterzeichner der ILAC-Vereinbarung zur gegenseitigen Anerkennung sind.
Geltungsbereich und BefugnisseZugehörige Inspektionen
Häufige Fragen
Welche Fehler kann die RT übersehen?
Feine, senkrecht zum Strahl liegende Risse können im Bild ausbleiben, da sie keinen ausreichenden Dickenunterschied im Werkstoff erzeugen. Deshalb wird bei Anwendungen mit erwarteten planaren Fehlern UT oder TOFD bevorzugt oder ergänzend zur RT eingesetzt.
Wie wird der Strahlenschutz sichergestellt?
Während der Prüfung werden Kontroll- und Überwachungsbereiche eingerichtet, der Zugang gesperrt und Warnschilder aufgestellt. Das Personal trägt persönliche Dosimeter, und die Dosisaufzeichnungen werden überwacht. Die Baustellenradiografie wird für Zeiträume geplant, in denen in der Umgebung nicht gearbeitet wird.
Kann digitale Durchstrahlung den Film ersetzen?
Ja, und dies wird zunehmend üblich. Auch das digitale System muss jedoch mittels IQI nachweisen, dass es die geforderte Bildgüteklasse erfüllt; Systemklasse und Pixelgröße müssen die in der Norm festgelegten Anforderungen erfüllen.
Wer darf die Prüfung durchführen?
ZfP-Personal wird nach EN ISO 9712 nach Verfahren, Stufe (1, 2, 3) und Industriesektor zertifiziert. Stufe 1 führt die Prüfung durch, Stufe 2 bewertet und berichtet, Stufe 3 erstellt Prüfanweisungen und wählt das Verfahren. Eine Prüfung in einem Verfahren oder Sektor außerhalb des Zertifikats gilt nicht.









