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Zerstörungsfreie Prüfung (ZfP)

PT Eindringprüfung

ISO/IEC 17020EN ISO 9712
Momentaufnahme einer Inspektion

Was ist eine Inspektion?

Die Eindringprüfung beruht darauf, dass eine Flüssigkeit mit geringer Oberflächenspannung durch Kapillarwirkung in oberflächenoffene Unregelmäßigkeiten eindringt; der Überschuss wird entfernt und ein Entwickler zieht die Flüssigkeit wieder heraus, sodass die Anzeige sichtbar wird.

Warum wird sie durchgeführt?

Ziel ist, Oberflächenrisse und Poren zu finden, die für das bloße Auge zu fein sind. Bei nichtmagnetischen Werkstoffen (nichtrostender Stahl, Aluminium, Titan) ist das Verfahren die gängigste Wahl für Oberflächenfehler.

Für welche Ausrüstung gilt sie?

  • Schweißnähte aus nichtrostendem Stahl und Aluminium
  • Guss- und Schmiedeteile
  • Titan- und Nickellegierungen
  • Keramik und Glas (nicht porös)
  • Bauteile für Luftfahrt und Druckgeräte

Rechtsgrundlage und Intervall

Die ZfP hat keine eigene Frist; ihre Häufigkeit ergibt sich aus dem Prüfprogramm, dem sie dient. In der Fertigung bestimmt der von Produktnorm und Spezifikation geforderte Prüfumfang (z. B. ein bestimmter Prozentsatz der Schweißnähte), im Betrieb das Asset-Integrity- bzw. risikobasierte Prüfprogramm.

Umfang der Inspektion

  • An die Oberfläche tretende Risse
  • Oberflächenporen
  • Falten- (Lap-) und Nahtfehler (Seam)
  • Kaltverbindung und Bindefehler (falls oberflächenoffen)
  • Oberflächenunstetigkeiten der Schweißnaht

Zugehörige Normen

  • ISO/IEC 17020
  • ISO 3452-1
  • ISO 3452-2
  • ISO 3452-3
  • EN ISO 23277
  • ISO 9712

Verfahren und Ausrüstung

  • Verbrauchsmaterial für Eindringmittel, Reiniger und Entwickler
  • Dunkelraum und UV-A-Lampe (bei Fluoreszenzsystemen)
  • Beleuchtungsmessgerät und UV-Intensitätsmesser
  • Referenz-(Kontroll-)Prüfblock
  • Reinigungs- und Trocknungsausrüstung

Inspektionsablauf

  1. 1Auswahl von Verfahren und TechnikArt und Lage der gesuchten Unregelmäßigkeit sowie die Werkstoffeigenschaften werden bewertet, um Verfahren und Technik festzulegen; eine schriftliche Prüfanweisung wird erstellt.
  2. 2Verifizierung von Personal und AusrüstungStufe und Industriesektor-Qualifikation des Prüfers nach EN ISO 9712 sowie die Kalibrierunterlagen der Geräte werden kontrolliert.
  3. 3OberflächenvorbereitungDie Prüffläche wird verfahrensgerecht vorbereitet; Beschichtung, Rost und Verschmutzung beeinflussen die Empfindlichkeit unmittelbar.
  4. 4Kalibrierung und EmpfindlichkeitsnachweisMit Vergleichskörper oder Kontrollprobe wird nachgewiesen, dass das System die gesuchte Unregelmäßigkeit anzeigt.
  5. 5Durchführung der PrüfungDie Abtastung erfolgt nach Prüfanweisung; Anzeigen werden aufgezeichnet und lokalisiert.
  6. 6BewertungAnzeigen werden nach der geltenden Abnahmenorm daraufhin bewertet, ob es sich um Fehler handelt; sie werden ausgemessen.
  7. 7BerichterstattungVerfahren, Technik, Ausrüstung, Kalibrierung, Befunde und Abnahmekriterium werden im Bericht gemeinsam ausgewiesen.

Abweichungen

Anzeigen werden als linear oder rundlich klassifiziert und ihrer Größe entsprechend nach der angewandten Abnahmenorm (z. B. EN ISO 23277) bewertet. Lineare Anzeigen, die auf einen Riss hindeuten, unterliegen in der Regel strengeren Grenzwerten.

Inspektionsbericht

  • Inspektionsstelle sowie Stufe und Sektor des Personals nach EN ISO 9712
  • Angewandtes Verfahren, Technik und Nummer der schriftlichen Prüfanweisung
  • Geprüftes Bauteil, Schweißnaht und Lageskizze
  • Ausrüstung, Verbrauchsmaterial und Kalibriernachweise
  • Oberflächenzustand und Prüfbedingungen
  • Aufgezeichnete Anzeigen, deren Lage und Abmessungen
  • Angewandte Abnahmenorm und Bewertungsergebnis
  • Annahme-/Ablehnungsentscheidung

Akkreditierung

Die zerstörungsfreie Prüfung wird als akkreditierte Inspektionstätigkeit nach ISO/IEC 17020 durchgeführt. Zweiter bestimmender Faktor ist die Personalqualifikation: Der Prüfer muss nach EN ISO 9712 für Verfahren, Stufe und Industriesektor zertifiziert sein. Eine Prüfung mit einem Verfahren außerhalb dieses Zertifikatsumfangs gilt nicht. EUROLAB verfügt über eine international anerkannte Akkreditierung nach ISO/IEC 17020, erteilt von Akkreditierungsstellen, die Unterzeichner der ILAC-Vereinbarung zur gegenseitigen Anerkennung sind.

Geltungsbereich und Befugnisse

Zugehörige Inspektionen

Häufige Fragen

Welche Fehler kann die Eindringprüfung nicht erkennen?

Sie kann keinen Fehler erkennen, der nicht an die Oberfläche tritt. Poren oder Risse unter der Oberfläche sind mit PT nicht sichtbar. Zudem ist das Verfahren auf porösen Werkstoffen und auf lackierten/beschichteten Oberflächen nicht anwendbar; die Beschichtung muss entfernt werden.

Soll farbkontrastreiches oder fluoreszierendes Eindringmittel verwendet werden?

Das Fluoreszenzsystem bietet höhere Empfindlichkeit, erfordert aber Dunkelraum und UV-Beleuchtung, was die Anwendung im Feld erschwert. Das farbkontrastreiche System ist vor Ort praktikabel. Die Wahl richtet sich nach der gesuchten Fehlergröße und der von der Spezifikation geforderten Empfindlichkeitsstufe.

Warum ist die Einwirkzeit wichtig?

Es dauert eine gewisse Zeit, bis das Eindringmittel in eine Unstetigkeit eindringt; wird die Zeit zu kurz gehalten, füllen sich feine Risse nicht und bleiben unsichtbar. Auch die Entwicklungszeit ist in der Norm festgelegt. Die Zeiten werden im Verfahren fixiert und im Bericht angegeben.

Wer darf die Prüfung durchführen?

ZfP-Personal wird nach EN ISO 9712 nach Verfahren, Stufe (1, 2, 3) und Industriesektor zertifiziert. Stufe 1 führt die Prüfung durch, Stufe 2 bewertet und berichtet, Stufe 3 erstellt Prüfanweisungen und wählt das Verfahren. Eine Prüfung in einem Verfahren oder Sektor außerhalb des Zertifikats gilt nicht.

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