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Prüfung elektrischer Anlagen

Erdungsprüfung

ISO/IEC 17020
Momentaufnahme einer Inspektion

Was ist eine Inspektion?

Die Erdungsprüfung weist messtechnisch nach, ob die Schutzerdung einer elektrischen Anlage ihre Funktion erfüllt. Die Erdung bietet dem Fehlerstrom einen niederohmigen Weg, damit die Schutzeinrichtung auslöst; steigt der Widerstand, wirkt dieser Schutz nicht mehr.

Warum wird sie durchgeführt?

Ziel ist, das Stromschlagrisiko zu vermeiden und sicherzustellen, dass Schutzeinrichtungen im Fehlerfall innerhalb der festgelegten Zeit auslösen. Der Erdungswiderstand verändert sich mit der Zeit: Bodenfeuchte, Korrosion und lose Verbindungen erhöhen den Wert.

Für welche Ausrüstung gilt sie?

  • Gebäude- und Anlagenschutzerdung
  • Maschinen- und Ausrüstungserdung
  • Schalttafeln und Verteilersysteme
  • Generator- und Transformatorerdung
  • Baustellen und provisorische Anlagen

Rechtsgrundlage und Intervall

Bei elektrischen Anlagen und Schutzsystemen richtet sich die Prüffrist nach den geltenden Vorschriften für elektrische Anlagen und der Risikoklasse der Umgebung. In Anlagen mit hohem Risiko — explosionsfähige Atmosphäre, feuchte Bereiche, Baustellen — verkürzt sie sich deutlich. Jede wesentliche Änderung der Anlage erfordert eine erneute Prüfung.

Umfang der Inspektion

  • Erder und Messung des Erdungswiderstands
  • Durchgängigkeit des Schutzleiters (PE)
  • Potentialausgleichsverbindungen
  • Erdungsschiene und Anschlussklemmen
  • Eignung der Leiterquerschnitte
  • Korrosion und Lockerung an Verbindungspunkten
  • Übereinstimmung des Erdungssystems mit dem Anlagentyp (TN, TT, IT)
  • Zugänglichkeit der Prüfklemme und Messpunkte

Zugehörige Normen

  • ISO/IEC 17020
  • IEC 60364-6
  • IEC 62305-3
  • IEC 60364-5-54
  • EN 50522

Verfahren und Ausrüstung

  • Erdungswiderstandsmessgerät (Drei- und Vierleitermethode)
  • Zangen-Erdungsmessgerät
  • Durchgangsprüfer (niederohmiges Ohmmeter)
  • Ausrüstung zur Messung des spezifischen Bodenwiderstands
  • Kalibriertes Multimeter

Inspektionsablauf

  1. 1Vorabinformation und PlanungEinpolschema, Verteilerliste, Angaben zu Schutzgeräten und Anlagenleistung werden erfasst; die Messpunkte werden festgelegt.
  2. 2SichtprüfungSchaltschrankaufbau, Leiterquerschnitte, Anzugsmomente der Verbindungen, Kennzeichnung und Berührungsschutz werden in Augenschein genommen.
  3. 3MessungenMit rückführbar kalibrierten Messgeräten werden Erdungswiderstand, Isolationswiderstand, Durchgängigkeit, Schleifenimpedanz und Auslösewerte der Fehlerstromschutzeinrichtung gemessen.
  4. 4Thermografische UntersuchungAuffällige Erwärmung an belasteten Verbindungen wird mit einer Infrarotkamera erfasst und anhand der Referenztemperaturdifferenz eingestuft.
  5. 5BewertungDie Messwerte werden mit den Grenzwerten der einschlägigen Norm und den Auslegungswerten der Anlage verglichen.
  6. 6BerichterstattungMesstabellen, Thermogramme und die Abweichungsliste werden zu einem Bericht zusammengefasst; Korrekturmaßnahmen werden nach Priorität vorgeschlagen.

Abweichungen

Übersteigt der gemessene Erdungswiderstand den für die Anlage berechneten Grenzwert, löst die Schutzeinrichtung im Fehlerfall nicht aus; das ist ein schwerer, zu behebender Befund. Eine Unterbrechung der Schutzleiterdurchgängigkeit wiegt ebenso schwer.

Inspektionsbericht

  • Angaben zur Inspektionsstelle und zum Prüfpersonal
  • Beschreibung der Anlage und Prüfumfang
  • Eingesetzte Messmittel und deren Kalibrierdaten
  • Tabellen der Messpunkte und Messwerte
  • Thermogramme und Bewertung der Temperaturdifferenz
  • Vergleich mit Grenzwerten
  • Abweichungsliste und Prioritätenfolge
  • Ergebnis und nächster Prüftermin

Akkreditierung

Inspektionstätigkeiten werden nach ISO/IEC 17020 durchgeführt; die Norm fordert Unparteilichkeit der Inspektionsstelle, Kompetenz des Personals und Validität der Prüfverfahren. Nach dem Unparteilichkeitsgebot darf, wer eine Ausrüstung wartet oder instand setzt, deren unabhängige Prüfung nicht durchführen. EUROLAB verfügt über eine international anerkannte Akkreditierung nach ISO/IEC 17020 von Unterzeichnerstellen der ILAC-Vereinbarung; da der akkreditierte Geltungsbereich je Inspektionsart festgelegt ist, wird er im Angebotsstadium schriftlich bestätigt.

Geltungsbereich und Befugnisse

Zugehörige Inspektionen

Häufige Fragen

Wie viel Ohm sollte der Erdungswiderstand betragen?

Es gibt keinen einzigen universellen Wert. Der Grenzwert wird anhand des Erdungssystems der Anlage (TN, TT, IT), des Auslösestroms der Schutzeinrichtung und der zulässigen Berührungsspannung berechnet. Deshalb enthält der Bericht nicht nur den gemessenen Wert, sondern auch den berechneten Grenzwert.

Verändert eine Messung nach Regen das Ergebnis?

Ja. Die Bodenfeuchte senkt den Widerstand deutlich; eine nach Regenfall vorgenommene Messung spiegelt nicht die tatsächliche ungünstigste Bedingung wider. Deshalb werden Messbedingungen und Jahreszeit im Bericht vermerkt.

Warum steht die Kalibrierung der Messmittel im Bericht?

Das Ergebnis einer Elektroprüfung ist keine Beobachtung, sondern ein Messwert. Damit die Messung gültig ist, muss das Gerät rückführbar kalibriert sein; ein Messwert ohne Kalibrierangabe ist nicht belastbar.

Wird die Anlage während der Prüfung freigeschaltet?

Ein Teil der Messungen erfolgt spannungsfrei (Isolationswiderstand, Durchgängigkeit), ein Teil unter Spannung (Schleifenimpedanz, Fehlerstromschutzschalter, Thermografie). Deshalb werden bei der Planung sowohl ein kurzes Abschaltfenster als auch ein Betrieb unter Last vereinbart.

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