Was ist eine Inspektion?
Die Prüfung der Fehlerstromschutzeinrichtung weist messtechnisch nach, dass der RCD beim festgelegten Fehlerstrom und innerhalb der festgelegten Zeit auslöst. Der RCD ist die letzte Schutzebene gegen Stromschlag; fällt er aus, reichen die übrigen Schutzmaßnahmen für den Personenschutz nicht aus.
Warum wird sie durchgeführt?
Ziel ist, bei direktem oder indirektem Berühren die Einwirkung eines tödlichen Stroms zu verhindern und nachzuweisen, dass die Schutzeinrichtung ihre Funktion über die Zeit nicht verloren hat.
Für welche Ausrüstung gilt sie?
- Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen in Gebäuden und Anlagen
- Steckdosenstromkreise und Versorgungen von Nassräumen
- Baustellenverteiler und mobile Verteilungseinheiten
- Ladestromkreise für Elektrofahrzeuge
- Tragbare Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (PRCD)
Rechtsgrundlage und Intervall
Bei elektrischen Anlagen und Schutzsystemen richtet sich die Prüffrist nach den geltenden Vorschriften für elektrische Anlagen und der Risikoklasse der Umgebung. In Anlagen mit hohem Risiko — explosionsfähige Atmosphäre, feuchte Bereiche, Baustellen — verkürzt sie sich deutlich. Jede wesentliche Änderung der Anlage erfordert eine erneute Prüfung.
Umfang der Inspektion
- Bemessungsfehlerstrom (IΔn) und Typ (AC, A, F, B) der Einrichtung
- Messung des Auslösestroms
- Messung der Auslösezeit
- Prüfung auf Nichtauslösen beim halben Bemessungsstrom (Fehlauslösung)
- Funktion der Prüftaste
- Messung des dauerhaften Fehlerstromniveaus im Stromkreis
- Bestätigung des von der Einrichtung geschützten Stromkreisumfangs
- Übereinstimmung mit Schutzleiter und Erdung
- Auswahl der Einrichtung passend zum Stromkreistyp
Zugehörige Normen
- ISO/IEC 17020
- IEC 61008-1
- IEC 61009-1
- IEC 60364-4-41
- IEC 61557-6
Verfahren und Ausrüstung
- Fehlerstrom-Schutzschalter-Prüfgerät
- Multifunktions-Installationstester
- Fehlerstrom-Zangenmessgerät
- Kalibriertes Multimeter
Inspektionsablauf
- 1Vorabinformation und PlanungEinpolschema, Verteilerliste, Angaben zu Schutzgeräten und Anlagenleistung werden erfasst; die Messpunkte werden festgelegt.
- 2SichtprüfungSchaltschrankaufbau, Leiterquerschnitte, Anzugsmomente der Verbindungen, Kennzeichnung und Berührungsschutz werden in Augenschein genommen.
- 3MessungenMit rückführbar kalibrierten Messgeräten werden Erdungswiderstand, Isolationswiderstand, Durchgängigkeit, Schleifenimpedanz und Auslösewerte der Fehlerstromschutzeinrichtung gemessen.
- 4Thermografische UntersuchungAuffällige Erwärmung an belasteten Verbindungen wird mit einer Infrarotkamera erfasst und anhand der Referenztemperaturdifferenz eingestuft.
- 5BewertungDie Messwerte werden mit den Grenzwerten der einschlägigen Norm und den Auslegungswerten der Anlage verglichen.
- 6BerichterstattungMesstabellen, Thermogramme und die Abweichungsliste werden zu einem Bericht zusammengefasst; Korrekturmaßnahmen werden nach Priorität vorgeschlagen.
Abweichungen
Löst die Einrichtung beim Bemessungsfehlerstrom nicht aus oder überschreitet die Auslösezeit den Normgrenzwert, fehlt die Schutzfunktion und die Einrichtung ist zu ersetzen. Ein Auslösen bereits beim halben Bemessungsstrom ist eine eigene Abweichung, da es unnötige Abschaltungen verursacht.
Inspektionsbericht
- Angaben zur Inspektionsstelle und zum Prüfpersonal
- Beschreibung der Anlage und Prüfumfang
- Eingesetzte Messmittel und deren Kalibrierdaten
- Tabellen der Messpunkte und Messwerte
- Thermogramme und Bewertung der Temperaturdifferenz
- Vergleich mit Grenzwerten
- Abweichungsliste und Prioritätenfolge
- Ergebnis und nächster Prüftermin
Akkreditierung
Inspektionstätigkeiten werden nach ISO/IEC 17020 durchgeführt; die Norm fordert Unparteilichkeit der Inspektionsstelle, Kompetenz des Personals und Validität der Prüfverfahren. Nach dem Unparteilichkeitsgebot darf, wer eine Ausrüstung wartet oder instand setzt, deren unabhängige Prüfung nicht durchführen. EUROLAB verfügt über eine international anerkannte Akkreditierung nach ISO/IEC 17020 von Unterzeichnerstellen der ILAC-Vereinbarung; da der akkreditierte Geltungsbereich je Inspektionsart festgelegt ist, wird er im Angebotsstadium schriftlich bestätigt.
Geltungsbereich und BefugnisseZugehörige Inspektionen
Häufige Fragen
Genügt es, die Prüftaste zu drücken?
Nicht ausreichend. Die Prüftaste zeigt nur, dass sich der Mechanismus bewegt; sie zeigt nicht, ob Auslösestrom und -zeit der Norm entsprechen. Diese Werte werden nur mit einem Prüfgerät gemessen.
Warum ist der Einrichtungstyp wichtig?
Typ AC erkennt nur sinusförmigen Wechsel-Fehlerstrom. Lasten wie Umrichterantriebe, LED-Treiber oder Elektrofahrzeug-Ladung erzeugen Fehlerströme mit Gleichstromanteil, die ein Typ-AC-Gerät nicht erkennt. Wurde kein zur Art des Stromkreises passender Typ gewählt, besteht faktisch kein Schutz.
Warum steht die Kalibrierung der Messmittel im Bericht?
Das Ergebnis einer Elektroprüfung ist keine Beobachtung, sondern ein Messwert. Damit die Messung gültig ist, muss das Gerät rückführbar kalibriert sein; ein Messwert ohne Kalibrierangabe ist nicht belastbar.
Wird die Anlage während der Prüfung freigeschaltet?
Ein Teil der Messungen erfolgt spannungsfrei (Isolationswiderstand, Durchgängigkeit), ein Teil unter Spannung (Schleifenimpedanz, Fehlerstromschutzschalter, Thermografie). Deshalb werden bei der Planung sowohl ein kurzes Abschaltfenster als auch ein Betrieb unter Last vereinbart.






