Was ist eine Inspektion?
Die Blitzschutzprüfung weist nach, dass Fangeinrichtung, Ableitung und Erdung der Blitzschutzanlage (LPS) als Ganzes funktionieren. Das System besteht aus drei Gliedern; eine Unterbrechung an einem Glied macht es vollständig wirkungslos.
Warum wird sie durchgeführt?
Ziel ist sicherzustellen, dass der Blitzstrom ohne Schaden am Gebäude zur Erde abgeleitet wird. Nach der Errichtung wird die Blitzschutzanlage unsichtbar; Korrosion und mechanische Schäden fallen nur bei der wiederkehrenden Prüfung auf.
Für welche Ausrüstung gilt sie?
- Blitzschutzsysteme für Gebäude
- Blitzschutz für Industrieanlagen und Schornsteine
- Kraftstoff- und Chemikalienlagerbereiche
- Antennen, Türme und Hochbauten
- Überspannungsschutzanlagen (SPD)
Rechtsgrundlage und Intervall
Bei elektrischen Anlagen und Schutzsystemen richtet sich die Prüffrist nach den geltenden Vorschriften für elektrische Anlagen und der Risikoklasse der Umgebung. In Anlagen mit hohem Risiko — explosionsfähige Atmosphäre, feuchte Bereiche, Baustellen — verkürzt sie sich deutlich. Jede wesentliche Änderung der Anlage erfordert eine erneute Prüfung.
Umfang der Inspektion
- Fangstangen und Fangeinrichtung: Lage, Beschädigung, Korrosion
- Ableitungen: Durchgängigkeit, Querschnitt, mechanischer Schutz, Anschluss
- Leitungsführung und Abstände zu metallenen Gebäudeteilen
- Prüfklemme und Messpunkte
- Erder und Erdungswiderstand
- Potentialausgleichsverbindungen
- Zustand und Anzeigen der Überspannungsschutzeinrichtungen (SPD)
- Übereinstimmung der Blitzschutzklasse (LPL) mit dem Bauwerk
- Spuren früherer Blitzeinschläge
Zugehörige Normen
- ISO/IEC 17020
- IEC 62305-1
- IEC 62305-3
- IEC 62305-4
- IEC 60364-5-53
Verfahren und Ausrüstung
- Erdungswiderstandsmessgerät
- Durchgangsprüfgerät
- Kalibriertes Multimeter
- Abstands- und Höhenmessgeräte
- Wärmebildkamera (für Verbindungsstellen)
Inspektionsablauf
- 1Vorabinformation und PlanungEinpolschema, Verteilerliste, Angaben zu Schutzgeräten und Anlagenleistung werden erfasst; die Messpunkte werden festgelegt.
- 2SichtprüfungSchaltschrankaufbau, Leiterquerschnitte, Anzugsmomente der Verbindungen, Kennzeichnung und Berührungsschutz werden in Augenschein genommen.
- 3MessungenMit rückführbar kalibrierten Messgeräten werden Erdungswiderstand, Isolationswiderstand, Durchgängigkeit, Schleifenimpedanz und Auslösewerte der Fehlerstromschutzeinrichtung gemessen.
- 4Thermografische UntersuchungAuffällige Erwärmung an belasteten Verbindungen wird mit einer Infrarotkamera erfasst und anhand der Referenztemperaturdifferenz eingestuft.
- 5BewertungDie Messwerte werden mit den Grenzwerten der einschlägigen Norm und den Auslegungswerten der Anlage verglichen.
- 6BerichterstattungMesstabellen, Thermogramme und die Abweichungsliste werden zu einem Bericht zusammengefasst; Korrekturmaßnahmen werden nach Priorität vorgeschlagen.
Abweichungen
Ein Durchgängigkeitsverlust der Ableitung, ein Erdungswiderstand über dem Grenzwert oder eine abgebrochene Fangspitze bedeuten, dass das System unwirksam ist, und erfordern sofortiges Handeln. Auch der Austausch angesprochener (verbrauchter) Überspannungsschutzgeräte wird berichtet.
Inspektionsbericht
- Angaben zur Inspektionsstelle und zum Prüfpersonal
- Beschreibung der Anlage und Prüfumfang
- Eingesetzte Messmittel und deren Kalibrierdaten
- Tabellen der Messpunkte und Messwerte
- Thermogramme und Bewertung der Temperaturdifferenz
- Vergleich mit Grenzwerten
- Abweichungsliste und Prioritätenfolge
- Ergebnis und nächster Prüftermin
Akkreditierung
Inspektionstätigkeiten werden nach ISO/IEC 17020 durchgeführt; die Norm fordert Unparteilichkeit der Inspektionsstelle, Kompetenz des Personals und Validität der Prüfverfahren. Nach dem Unparteilichkeitsgebot darf, wer eine Ausrüstung wartet oder instand setzt, deren unabhängige Prüfung nicht durchführen. EUROLAB verfügt über eine international anerkannte Akkreditierung nach ISO/IEC 17020 von Unterzeichnerstellen der ILAC-Vereinbarung; da der akkreditierte Geltungsbereich je Inspektionsart festgelegt ist, wird er im Angebotsstadium schriftlich bestätigt.
Geltungsbereich und BefugnisseZugehörige Inspektionen
Häufige Fragen
Gibt es einen Prüfunterschied zwischen einem aktiven (Early-Streamer-Emission-)Blitzableiter und einem klassischen System?
Der Kern der Prüfung ist derselbe: Durchgängigkeit und Erdung sind bei beiden Systemen entscheidend. Bei aktiven Fangeinrichtungen wird zusätzlich die vom Hersteller vorgesehene Funktionskontrolle und Lebensdauerangabe bewertet.
Warum sind SPDs Teil der Prüfung?
Blitzschutz endet nicht allein damit, einen direkten Einschlag zur Erde abzuleiten; auch die in das System induzierte Überspannung darf elektronische Geräte nicht schädigen. SPDs leisten dies und verbrauchen sich bei jedem Ansprechen; ihre Anzeigen werden bei der Prüfung kontrolliert.
Warum steht die Kalibrierung der Messmittel im Bericht?
Das Ergebnis einer Elektroprüfung ist keine Beobachtung, sondern ein Messwert. Damit die Messung gültig ist, muss das Gerät rückführbar kalibriert sein; ein Messwert ohne Kalibrierangabe ist nicht belastbar.
Wird die Anlage während der Prüfung freigeschaltet?
Ein Teil der Messungen erfolgt spannungsfrei (Isolationswiderstand, Durchgängigkeit), ein Teil unter Spannung (Schleifenimpedanz, Fehlerstromschutzschalter, Thermografie). Deshalb werden bei der Planung sowohl ein kurzes Abschaltfenster als auch ein Betrieb unter Last vereinbart.






