Was ist eine Inspektion?
Die Prüfung von Stahlbauten weist die Übereinstimmung des Stahltragwerks mit Planung und Ausführungsnorm in Werkstattfertigung und Baustellenmontage nach. Nach EN 1090 bestimmt die Ausführungsklasse (EXC) unmittelbar Umfang und Strenge der Prüfung.
Warum wird sie durchgeführt?
Ziel ist nachzuweisen, dass das Tragwerk die Bemessungslasten sicher aufnimmt, und Fertigungsfehler bereits in der Werkstatt zu erkennen, deren Behebung nach der Montage sehr teuer wäre.
Für welche Ausrüstung gilt sie?
- Stahlbauten von Gebäuden und Industrieanlagen
- Brücken- und Überführungsbauwerke
- Turm-, Mast- und Antennenbauwerke
- Kranbahnträger und Plattformen
- Vorgefertigte Stahlelemente
Rechtsgrundlage und Intervall
Bei der industriellen Inspektion ergibt sich der Terminplan nicht aus Vorschriften, sondern aus dem Inspektions- und Prüfplan (ITP) des Projekts. Hold Points und Witness Points werden vertraglich festgelegt; dort findet die Prüfung statt. Wiederkehrende Kontrollen im Betrieb werden nach dem Asset-Integrity-Programm geplant.
Umfang der Inspektion
- Bestätigung der Ausführungsklasse (EXC) und der zugehörigen Anforderungen
- Werkstoffzertifikate und Rückverfolgbarkeit
- Qualität von Schnitt, Bohrung und Kantenvorbereitung
- Fertigungstoleranzen: Ebenheit, Geradheit, Maße
- Schweißnähte: Sichtprüfung und Umfang der ZfP
- Schraubverbindungen: Schraubenklasse, Vorspannung und Drehmomentkontrolle
- Oberflächenvorbereitung und Korrosionsschutzbeschichtung
- Schichtdicke und Haftungskontrolle
- Montage: Achslage, Höhenkote, Lotrechtheit und Anschlussgenauigkeit
- Brandschutzanwendung (falls vorhanden)
Zugehörige Normen
- ISO/IEC 17020
- EN 1090-1
- EN 1090-2
- ISO 3834-2
- EN ISO 5817
- ISO 8501-1
- EN ISO 12944
Verfahren und Ausrüstung
- Maßmessausrüstung, Bandmaß und Laser-Entfernungsmesser
- Totalstation oder Nivelliergerät (Montagekontrolle)
- Schweißnahtlehren
- Ultraschallprüfgerät und Magnetpulver-Ausrüstung
- Schichtdickenmessgerät und Haftzugprüfgerät
- Kalibrierter Drehmomentschlüssel und Schraubenvorspannungs-Messgeräte
Inspektionsablauf
- 1Prüfung des Inspektions- und Prüfplans (ITP)Projektspezifikation, anzuwendende Norm, Hold-/Witness-Points und Abnahmekriterien werden geklärt.
- 2Dokumenten- und MaterialkontrolleWerkstoffbescheinigungen (EN 10204), Schweißanweisungen (WPS/WPQR) und Personalqualifikationen werden überprüft.
- 3Fertigungsbegleitende InspektionAn den festgelegten Hold-Points wird die Fertigung angehalten; Maß-, Montage- sowie Vor- und Nachschweißkontrollen werden durchgeführt.
- 4Zerstörungsfreie PrüfungDie in der Spezifikation geforderten ZfP-Verfahren werden angewandt; Verfahren und Umfang richten sich nach Nahtklasse und Produktnorm.
- 5Endabnahme und PrüfungMaßkontrolle, hydrostatische/pneumatische Prüfung oder Funktionsprüfung werden durchgeführt.
- 6Bericht und DokumentationspaketPrüfberichte, ZfP-Berichte und Prüfaufzeichnungen werden im Fertigungsdokumentationspaket (Data Book) zusammengeführt.
Abweichungen
Nahtunregelmäßigkeiten über der Zulässigkeitsgrenze, Fertigungsmaße außerhalb der Toleranz und Schraubverbindungen ohne nachweisbare Vorspannung sind zu behebende Befunde. Eine Beschichtungsdicke unter der Spezifikation wird gesondert berichtet, da sie die Korrosionsschutzdauer unmittelbar verkürzt.
Inspektionsbericht
- Angaben zur Inspektionsstelle und zum Prüfpersonal
- Projekt, Spezifikation und angewandte Normen
- Geprüfte Position, Charge und Rückverfolgbarkeitsangaben
- Befunde der Dokumentenkontrolle (Werkstoffbescheinigungen, WPS/WPQR)
- Prüf- und Versuchsergebnisse
- Verweise auf die ZfP-Berichte
- Abweichungsberichte und Status der Behebung
- Ergebnis und Freigabeerklärung
Akkreditierung
Inspektionstätigkeiten werden nach ISO/IEC 17020 durchgeführt; die Norm fordert Unparteilichkeit der Inspektionsstelle, Kompetenz des Personals und Validität der Prüfverfahren. Nach dem Unparteilichkeitsgebot darf, wer eine Ausrüstung wartet oder instand setzt, deren unabhängige Prüfung nicht durchführen. EUROLAB verfügt über eine international anerkannte Akkreditierung nach ISO/IEC 17020 von Unterzeichnerstellen der ILAC-Vereinbarung; da der akkreditierte Geltungsbereich je Inspektionsart festgelegt ist, wird er im Angebotsstadium schriftlich bestätigt.
Geltungsbereich und BefugnisseZugehörige Inspektionen
Häufige Fragen
Wie wird die Ausführungsklasse (EXC) festgelegt?
Sie wird nach EN 1090-2 durch gemeinsame Bewertung von Folgeklasse, Nutzungskategorie und Herstellungskategorie des Bauwerks bestimmt; sie liegt in der Verantwortung des Konstrukteurs. Mit steigender EXC verschärfen sich Schweißqualitätsniveau, ZfP-Umfang und Toleranzanforderungen.
Reicht die Prüfung für die CE-Kennzeichnung nach EN 1090 aus?
Nicht ausreichend. Für die CE-Kennzeichnung muss das werkseigene Produktionskontrollsystem (FPC) des Herstellers von einer notifizierten Stelle zertifiziert sein. Die Projektprüfung bestätigt das Ergebnis dieses Systems, ersetzt aber nicht die Zertifizierung.
Worin unterscheiden sich Hold Point und Witness Point?
An einem Hold Point wird die Fertigung angehalten; ohne Anwesenheit der Inspektionsstelle darf der nächste Schritt nicht beginnen. An einem Witness Point wird die Stelle eingeladen, die Fertigung darf bei Nichterscheinen jedoch fortgesetzt werden. Welcher Schritt in welche Kategorie fällt, wird im ITP vertraglich festgelegt.




