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Industrielle Inspektion

Rohrleitungsinspektion

ISO/IEC 17020
Momentaufnahme einer Inspektion

Was ist eine Inspektion?

Die Rohrleitungsinspektion weist die Integrität der Leitung in Fertigung, Montage und Betrieb nach. In der Fertigung stehen Nahtqualität und Werkstoffrückverfolgbarkeit im Vordergrund, im Betrieb die korrosionsbedingte Wandabzehrung.

Warum wird sie durchgeführt?

Ziel ist, Leckagen und Risse in der Leitung zu verhindern, nachzuweisen, dass der Betriebsdruck bei der verbliebenen Wanddicke sicher ist, und die Restlebensdauer abzuschätzen.

Für welche Ausrüstung gilt sie?

  • Prozessrohrleitungen
  • Dampf- und Heißmedienleitungen
  • Kraftstoff- und Chemikalientransportleitungen
  • Feuerlöschleitungen
  • Druckluft- und Gasleitungen

Rechtsgrundlage und Intervall

Bei der industriellen Inspektion ergibt sich der Terminplan nicht aus Vorschriften, sondern aus dem Inspektions- und Prüfplan (ITP) des Projekts. Hold Points und Witness Points werden vertraglich festgelegt; dort findet die Prüfung statt. Wiederkehrende Kontrollen im Betrieb werden nach dem Asset-Integrity-Programm geplant.

Umfang der Inspektion

  • Materialzeugnisse und Rückverfolgbarkeit (EN 10204)
  • Schweißverfahren (WPS/WPQR) und Schweißerqualifikation
  • Sichtprüfung der Schweißnähte
  • Zerstörungsfreie Prüfung: Nahtkontrolle mittels RT, UT oder PAUT
  • Wanddickenmessung und Korrosionsbewertung
  • Rohrauflager, Aufhängungen und Ausdehnungsanordnung
  • Ventile, Flansche und Verbindungselemente
  • Hydrostatische oder pneumatische Druckprüfung
  • Zustand von Anstrich und Beschichtung
  • Bewertung des Risikos von Korrosion unter der Isolierung (CUI)

Zugehörige Normen

  • ISO/IEC 17020
  • EN 13480-Reihe
  • ISO 15649
  • ISO 13847
  • EN ISO 5817
  • ISO 9712

Verfahren und Ausrüstung

  • Ultraschall-Dickenmessgerät
  • Radiographie- oder Phased-Array-Ultraschallausrüstung
  • Verbrauchsmaterial für Magnetpulver- und Eindringprüfung
  • Hydraulische Prüfpumpe und kalibrierte Manometer
  • Schweißnahtlehren
  • Holiday-Detektor (für beschichtete Leitungen)

Inspektionsablauf

  1. 1Prüfung des Inspektions- und Prüfplans (ITP)Projektspezifikation, anzuwendende Norm, Hold-/Witness-Points und Abnahmekriterien werden geklärt.
  2. 2Dokumenten- und MaterialkontrolleWerkstoffbescheinigungen (EN 10204), Schweißanweisungen (WPS/WPQR) und Personalqualifikationen werden überprüft.
  3. 3Fertigungsbegleitende InspektionAn den festgelegten Hold-Points wird die Fertigung angehalten; Maß-, Montage- sowie Vor- und Nachschweißkontrollen werden durchgeführt.
  4. 4Zerstörungsfreie PrüfungDie in der Spezifikation geforderten ZfP-Verfahren werden angewandt; Verfahren und Umfang richten sich nach Nahtklasse und Produktnorm.
  5. 5Endabnahme und PrüfungMaßkontrolle, hydrostatische/pneumatische Prüfung oder Funktionsprüfung werden durchgeführt.
  6. 6Bericht und DokumentationspaketPrüfberichte, ZfP-Berichte und Prüfaufzeichnungen werden im Fertigungsdokumentationspaket (Data Book) zusammengeführt.

Abweichungen

Eine Unregelmäßigkeit in der Naht über der Abnahmenorm, eine Wanddicke unter dem berechneten Mindestwert oder ein Druckabfall bei der Druckprobe sind nicht akzeptierbare Befunde. Der Verdacht auf Korrosion unter Isolierung erfordert ein eigenes Untersuchungsprogramm.

Inspektionsbericht

  • Angaben zur Inspektionsstelle und zum Prüfpersonal
  • Projekt, Spezifikation und angewandte Normen
  • Geprüfte Position, Charge und Rückverfolgbarkeitsangaben
  • Befunde der Dokumentenkontrolle (Werkstoffbescheinigungen, WPS/WPQR)
  • Prüf- und Versuchsergebnisse
  • Verweise auf die ZfP-Berichte
  • Abweichungsberichte und Status der Behebung
  • Ergebnis und Freigabeerklärung

Akkreditierung

Inspektionstätigkeiten werden nach ISO/IEC 17020 durchgeführt; die Norm fordert Unparteilichkeit der Inspektionsstelle, Kompetenz des Personals und Validität der Prüfverfahren. Nach dem Unparteilichkeitsgebot darf, wer eine Ausrüstung wartet oder instand setzt, deren unabhängige Prüfung nicht durchführen. EUROLAB verfügt über eine international anerkannte Akkreditierung nach ISO/IEC 17020 von Unterzeichnerstellen der ILAC-Vereinbarung; da der akkreditierte Geltungsbereich je Inspektionsart festgelegt ist, wird er im Angebotsstadium schriftlich bestätigt.

Geltungsbereich und Befugnisse

Zugehörige Inspektionen

Häufige Fragen

Warum wird die hydrostatische Prüfung nicht an der gesamten Leitung durchgeführt?

Bei langen Leitungen wird die Prüfung in isolierbaren Abschnitten (Spools) durchgeführt. Dies liegt daran, dass das Wasservolumen handhabbar bleibt und bei einem Problem die Ursache schnell lokalisiert werden kann. Prüfabschnitte werden im ITP festgelegt.

Warum wird die Korrosion unter der Isolierung (CUI) gesondert behandelt?

Die Isolierung schließt an die Rohroberfläche gelangende Feuchtigkeit ein und schafft so eine unsichtbare Korrosionsumgebung. Die Leitung sieht von außen intakt aus, während sich die Wand ausdünnt. Deshalb werden Leitungen im risikobehafteten Temperaturbereich entweder durch Öffnen der Isolierung oder mit speziellen Techniken kontrolliert.

Worin unterscheiden sich Hold Point und Witness Point?

An einem Hold Point wird die Fertigung angehalten; ohne Anwesenheit der Inspektionsstelle darf der nächste Schritt nicht beginnen. An einem Witness Point wird die Stelle eingeladen, die Fertigung darf bei Nichterscheinen jedoch fortgesetzt werden. Welcher Schritt in welche Kategorie fällt, wird im ITP vertraglich festgelegt.

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