Was ist Verifizierung?
ISO 14046 legt die Anforderungen zur Berechnung des Wasserfußabdrucks auf Ökobilanzbasis fest. Ein wesentlicher Unterschied zum CO₂-Fußabdruck: Die Wasserwirkung ist ortsabhängig. Derselbe Kubikmeter Wasser wirkt in einem wasserarmen Einzugsgebiet weit stärker; deshalb erfolgt die Berechnung einzugsgebietsbezogen.
Warum wird sie durchgeführt?
Ziel ist, die tatsächliche Umweltwirkung der Wassernutzung offenzulegen und das Wasserrisiko standortbezogen zu steuern.
Wer beauftragt sie?
- Wasserintensive Textil-, Lebensmittel-, Getränke-, Papier- und Chemieanlagen
- Organisationen, die in Gebieten mit hohem Wasserstress tätig sind
- Unternehmen, die die Wasserleistung in ihrem Nachhaltigkeitsbericht offenlegen
- Marken, die die Wasserauswirkungen ihrer Lieferkette bewerten
- Investoren und Finanzinstitute, die eine Wasserrisikoanalyse durchführen
Umfang und Grenzen
- Ziel und Untersuchungsrahmen: funktionelle Einheit, Systemgrenzen, geografische und zeitliche Auflösung
- Wasserinventar: Wasser-Input- und -Output-Ströme, Unterscheidung zwischen Verbrauch und Einleitung
- Erhebung von Wasserqualitätsdaten
- Einzugsgebietsbezogene Indikatoren für Wasserknappheit und Wasserverfügbarkeit
- Wirkungskategorien: Wasserknappheit, Eutrophierung, Versauerung, Toxizität
- Unterscheidung zwischen Verdunstung, im Produkt gebundenem Wasser und ins Einzugsgebiet zurückgeführtem Wasser
- Unsicherheits- und Sensitivitätsanalyse
- Kritische Prüfung (falls die Ergebnisse veröffentlicht werden)
Einschlägige Normen
- ISO 14046
- ISO 14040
- ISO 14044
Einschlägige Normen
- ISO 14046
- ISO 14040
- ISO 14044
Ablauf der Verifizierung
- 1Festlegung von Ziel und UntersuchungsrahmenZiel der Studie, funktionelle Einheit und Systemgrenze (Cradle-to-Gate, Cradle-to-Grave) werden definiert. Diese beiden Festlegungen bestimmen das Ergebnis unmittelbar.
- 2Ermittlung der ProduktkategorieregelnLiegt eine anwendbare PCR oder Branchenregel vor, wird sie zugrunde gelegt; Vergleichbarkeit besteht nur bei gleichen Regeln.
- 3SachbilanzInput- und Outputflüsse über den Lebensweg werden erhoben: Energie, Rohstoffe, Transport, Abfall und Emissionen. Datenqualitätsanforderungen werden angewandt.
- 4Allokations- und ModellierungsentscheidungenBei Mehrproduktprozessen werden Allokationsmethode, Recyclingansatz und Behandlung biogenen Kohlenstoffs mit Begründung festgelegt.
- 5WirkungsabschätzungDie Sachbilanzdaten werden nach den gewählten Wirkungskategorien berechnet: Treibhauspotenzial beim CO₂-Fußabdruck, einzugsgebietsbezogene Indikatoren beim Wasserfußabdruck.
- 6Auswertung und SensitivitätsanalyseDie Ergebnisse werden zusammen mit Unsicherheits- und Sensitivitätsanalyse ausgewertet; es wird gezeigt, wie stark jede Annahme das Ergebnis verändert.
- 7Kritische Prüfung oder VerifizierungSoll das Ergebnis veröffentlicht werden, erfolgt eine unabhängige kritische Prüfung; bei einer EPD ist dieser Schritt verpflichtend.
Prüfsicherheit
Bei Fußabdruckstudien erfolgt die Absicherung über eine unabhängige kritische Prüfung. Soll das Ergebnis veröffentlicht werden — insbesondere bei vergleichenden Aussagen — verlangt ISO 14040/44 eine kritische Prüfung. Bei einer EPD richtet sich die Verifizierung nach den Regeln des Programmbetreibers und ist verpflichtend.
Ergebnis und Erklärung
- Angaben zur durchführenden Stelle und zum prüfenden Sachverständigen
- Ziel, funktionelle Einheit und Systemgrenze
- Angewandte Norm und ggf. Produktkategorieregeln
- Datenquellen, Datenqualität und Bezugsjahr
- Allokationsmethode und Modellierungsannahmen
- Ergebnisse der Wirkungsabschätzung
- Unsicherheits- und Sensitivitätsanalyse
- Erklärung zur kritischen Prüfung, sofern durchgeführt
Grenzen des Ergebnisses
Ein Fußabdruckergebnis hängt von der definierten funktionellen Einheit und Systemgrenze ab; ändern sich diese Festlegungen, ändert sich das Ergebnis. Zwei Studien mit unterschiedlichen Systemgrenzen oder Produktkategorieregeln sind nicht vergleichbar. Das Ergebnis ist keine Konformitätserklärung: Ein niedriger oder hoher Wert sagt nichts darüber aus, ob das Produkt Vorschriften erfüllt.
Akkreditierung
Verifizierungs- und Validierungstätigkeiten für Treibhausgase werden nach ISO 14065 akkreditiert; die Verifizierung selbst erfolgt nach ISO 14064-3, die Kompetenz des Personals definiert ISO 14066. Prüfungen zur Erlangung von Sicherheit unterliegen dagegen Standards wie ISAE 3000 und fallen nicht unter akkreditierte Zertifizierung. In beiden Rahmen gilt das Unparteilichkeitsgebot: Wer die Berechnung erstellt, darf sie nicht verifizieren. EUROLAB verfügt über international anerkannte Akkreditierungen von Stellen, die die ILAC- und IAF-Vereinbarungen unterzeichnet haben; welche Verifizierung im akkreditierten Umfang angeboten werden kann, wird im Angebotsstadium schriftlich bestätigt.
Geltungsbereich und BefugnisseZugehörige Verifizierungen
Häufige Fragen
Können die Fußabdruckergebnisse zweier Produkte verglichen werden?
Nur wenn dieselbe funktionelle Einheit, dieselben Systemgrenzen und dieselben Produktkategorieregeln verwendet wurden. Die Zahlen zweier mit unterschiedlichen Grenzen erstellter Studien sind nicht gleichwertig; soll ein Vergleich erfolgen, muss nachgewiesen werden, dass diese Bedingungen erfüllt sind.
Ist der Wasser-Fußabdruck nur die verbrauchte Wassermenge?
Nein, und das ist das häufigste Missverständnis. Neben der Menge berücksichtigt ISO 14046 auch die Wasserknappheit im Einzugsgebiet, aus dem das Wasser entnommen wird, sowie die Auswirkung auf die Wasserqualität. Das Ergebnis ist daher kein einzelner Kubikmeterwert, sondern ein Satz von Wirkungsindikatoren.
Woher stammen die Einzugsgebietsdaten?
Die Charakterisierungsfaktoren für Wasserknappheit stammen aus anerkannten Einzugsgebietsdatenbanken und werden nach dem geografischen Standort der Produktionsstätte ausgewählt. Ändert sich der Standort, ändert sich auch das Ergebnis für dieselbe Produktion; die Standortangabe ist daher untrennbarer Bestandteil der Studie.




